Wo möchten Sie trainieren?

Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen Teil 2

Teil 2: Planung und Umsetzung von Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen

Im ersten Teil zu diesem Thema haben Sie bereits erfahren, dass entgegen älterer Meinungen, Krafttraining bereits im frühen Kindesalter sinnvoll ist. In einem nächsten Schritt stellt sich nun natürlich die Frage nach der konkreten Umsetzung. Sprich: Wie kann ich mit Kindern adäquat und altersgerecht trainieren?
Grundlegend gilt für Kinder, wie für Erwachsene auch, die goldene Grundregel Qualität (der Ausführung) vor Quantität (Anzahl der Wiederholungen) und es gilt die richtige Wahl des Schwierigkeitsgrades der Übung zu treffen, die Höhe des zu überwindenden Gewichtes richtig einzuschätzen und eine angemessene Intensität zu bestimmen.
Allerdings muss man abgesehen von diesen Grundregeln ab diesem Punkt klar differenzieren: Kinder und Jugendliche unterscheiden sich vor allem in puncto Motivation und Belastbarkeit grundlegend von Erwachsenen. Während Erwachsene meistens aus extrinsischen Gründen, also aus einem spezifischen Grund trainieren (Leistungsorientierung, Aussehen, Gesundheit), trainieren Heranwachsende hauptsächlich aus intrinsischen Beweggründen. Sie treiben also Sport um seiner selbst willen, oder einfacher gesagt, sie werden vom Spaß angetrieben! Diesen Spaß gilt es natürlich folglich immer wieder aufs Neue hervorzurufen. Logisch, kommt dieser nämlich häufiger zu kurz, verlieren die Kinder schnell die Begeisterung am Training.
Konkret heißt das für die Planung vor allem Übungen zu integrieren, die Spaß buchstäblich garantieren. Dies geht auf verschiedenste Art und Weise: Partnerübungen oder spielerische Kräftigung in Kleingruppen, bieten durch die Interaktion mit anderen immer einen hohen Spaßfaktor und fördern gleichzeitig durch den ständigen Vergleich mit dem Gegenüber die Motivation im höchsten Maße. Auch komplexe Übungen mit viel Bewegungsanteil kommen bei Kindern gut an. Sprich, statt reinen statischen Stützübungen, kommen instabile Unterlagen, Gewichtsbälle oder lustige Zusatzaufgaben, die die Übung kurzweiliger erscheinen lassen, immer gut an.
Beim Thema Komplexität kommt man nun zwangsweise nicht um das Thema Belastbarkeit herum. Klar ist: Bevor man eine Übung komplexer gestaltet, sollte sichergestellt sein, dass die Trainierenden über genügend Rumpfkraft und Koordination verfügen, um die Übung auch korrekt ausführen und schaffen zu können. Fehleinschätzungen hinsichtlich der Belastbarkeit führen sonst zu Überlastungen und Beschwerden oder umgekehrt auch zu Unterforderung und Langeweile. Dies trifft neben dem Schwierigkeitsgrad der Übung natürlich auch auf die Höhe der Intensität und die Wahl der Belastungsdichte zu.
Bleibt abschließend eigentlich nur noch eine grundlegende Frage offen: Freies Hanteltraining – _Gerätetraining – _oder funktionelles Training? Welches ist wohl die beste Wahl bei Kindern und Jugendlichen?
Nun, während Gerätetraining gerade in Kleingruppen durch die Gewichtseinstellungen und Fixpunkte am Gerät besonders viel Kontrolle bietet, birgt es umgekehrt bei zu hoher Last die Gefahr der Überlastung. Zusatzgewicht entfällt beim Training mit eigenem Körpergewicht zwar, hier entfällt allerdings auch die klare Steuerung der Belastung mittels Steigerung oder Reduzierung des Gewichts. Durch die hier vorliegenden unüberwindbaren Wiederstände (z.B. Wand oder Boden) ist zudem häufig nicht die Zielmuskulatur, sondern eher die Rumpfkraft determinierend (z.B. beim Liegestütz). Außerdem treten hier ohne fachliche Anleitung und Beobachtung durch einen Trainer eher Fehlhaltungen (z.B. Hohlkreuz, schräge Beinachse) auf, da hier im Vergleich zum Training an Geräten die Fixpunkte fehlen (z.B. Rückenlehne, Hebel die die Bewegungsfreiheit limitieren).
Der größte Vorteil von freiem Training (auch mit Hanteln) besteht dagegen darin, dass die Übungen nahezu beliebig viele Progressionen und somit Komplexität bieten. Und wie Sie bereits wissen: Komplexität sorgt für einen hohen Spaßfaktor! Ein Training mit eigenem Körpergewicht (ebenso mit
Freihanteln) ist dazuhin deutlich funktioneller (Training in Muskelketten) als ein oft isolierteres Gerätetraining (Training einzelner Muskeln).
Zusammenfassend ist es also schwer zu entscheiden, welche Trainingsart bei Kindern und Jugendlichen Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen Teil 2 der anderen vorzuziehen ist. Entscheidend ist wohl eher einmal mehr, die Belastbarkeit der Zielgruppe richtig einzuschätzen zu können und stets für die nötige Abwechslung und viele spielerische Elemente im Training zu sorgen – _und das unabhängig davon wie trainiert wird.
Viel Spaß bei der Umsetzung wünscht Ihr Fitteam!