Ob klassische Musik, Pop-Musik, Heavy Metal oder Rock – mit den passenden Beats auf den Ohren fällt den meisten Menschen das Training leichter und die Motivation steigt. Manche hören beim Sport sogar einen Podcast und verbinden so ihre Trainingseinheit mit dem Lernen oder der Unterhaltung. Doch was hat dies für Auswirkungen auf unser Training und kann man hier vielleicht sogar Stereotype erkennen, die bestimmte Musikrichtungen repräsentieren? 

Theoretisch eine sinnvolle Sache

Zahlreiche Studien haben sich schon mit der Auswirkung von Musik auf unseren Körper und den entsprechenden Trainingseffekten beschäftigt. So wurde belegt, dass durch Musik jene Areale im Gehirn weniger aktiv sind, die Erschöpfung signalisieren. Demnach hilft Musik beim Sport, den Verstand von den Ermüdungserscheinungen abzulenken und den Punkt der Erschöpfung leicht hinauszuzögern. Weitere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass schnelle Musik bei hoher Lautstärke sogar Griffkraft, Kraftausdauer und Konzentration steigern kann. Forscher der Brunel Universität in London haben sogar ein Instrument entwickelt, mit dem man die motivierenden Eigenschaften von Musik bei sportlicher Aktivität messen kann. Es heißt „Brunel Music Rating Inventory-2” und hilft zum Beispiel Trainern dabei, die richtige Musik für ihr Team auszuwählen. Auch die Effekte von Musik vor dem Workout oder beim Cooldown wurden bereits umfassend untersucht. Studien, sowohl mit Profi- als auch Hobbysportlern, ergaben, dass Musik vor dem Training eine stimulierende Wirkung hat, mehr Selbstsicherheit verleiht und die Durchblutung anregt. Sowohl unsere körperliche als auch die geistige Aufmerksamkeit werden durch das Musikhören erhöht und Sportler empfinden dadurch einen größeren Antrieb und mehr Begeisterung für ihre bevorstehende körperliche Anstrengung. Auf diesen Effekt setzen übrigens auch Spitzensportler aus allen Bereichen. Sowohl vor Leichtathletik-Wettkämpfen als auch vor Fußballspielen sieht man häufig Athleten mit Kopfhörern, um sich mental auf den Wettkampf einzustimmen. Nach dem Workout kann ein ruhiges, langsames Lied bei der Reduktion von Stresshormonen wie Cortisol helfen und den Puls senken. Langsame Musik beruhigt zudem die Atmung und sorgt so dafür, dass Sauerstoff effektiver in die Muskulatur gelangt. In der Theorie sorgt die richtige Playlist demnach gewiss für mehr Leistung und auch Motivation. 

Praktisch von vielen intuitiv umgesetzt

Doch wie sieht dies in der Praxis aus? Personal Trainer Stefan Haufe vom FIT TEAM Waldshut berichtet über seine langjährige Erfahrung: „Meinen Kunden ist die richtige Musik beim Training schon sehr wichtig und da hat jeder auch seinen persönlichen Geschmack. Mein Kunde Ragji ist zum Beispiel Michael Jackson Fan und kommt auch beim Sport erst mit dieser Musik so richtig in den Flow. Ein anderer Kunde hat bosnische Wurzeln und möchte bei seinen Workouts immer bosnische Volksmusik hören.“ Diese Vorlieben zu kennen und im Training mit der entsprechenden Musikauswahl für den besonderen Motivationsschub zu sorgen, ist eine Trainingsvorbereitung, die der erfahrene Personal Trainer gern und fast schon beiläufig für seine Kunden übernimmt. Andere hören einfach ganz intuitiv beim Training eine Playlist, die sie zu Bestleistungen motiviert. Laut Stefan Haufe, gibt es hier aber nicht die eine richtige Musikauswahl, denn so individuell wir Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die gewählten Sounds für das Training. Für die meisten hilft Musik mit persönlichem Bezug, die Motivation zu steigern. So kann Musik, die wir mit Fernsehsendungen oder Filmen in Verbindung bringen, einen Bewegungsdrang auslösen. Wer kennt sie nicht die zuckenden Beine bei „Saturday Night Fever“, „Dirty Dancing“ oder „Footloose“. Besonders wenn man in Erinnerungen schwelgen und sich jünger fühlen kann, ist das für viele ein Ansporn, sich zu bewegen. Die Sounds der 70er und 80er Jahre sind dafür prädestiniert. Diese Erfahrung hat auch Stefan Haufe in seinen Personal Trainings gemacht. Er selbst ist leidenschaftlicher Triathlet und hat eine bunt gemischte Playlist, die ihn beim Training begleitet. Vor einem Wettkampf pusht ihn sein Lieblingssong „Thank You“ von Max + Johann Paratone häufig zu Höchstleistungen. 

Workouts im Flow der Musik

Den Einfluss von Musik auf unseren Bewegungsdrang und unsere Stimmung machen sich zahlreiche Sportarten und Trainingsmethoden ganz gezielt zu Nutze. Tabata, Zumba, HIIT-Training oder auch Spinning sind nur einige Beispiele, bei denen Übungen und Intervalle nach ganz bestimmter Musik durchgeführt werden. Dabei geht es häufig darum, für eine definierte Intervallzeit das Tempo zu steigern oder einen bestimmten Rhythmus zu verfolgen. Mögen diese Methoden oftmals auch einen gewissen Vermarktungs- und Werbezweck verfolgen, so gibt ihnen der Erfolg in jedem Fall Recht. Der richtige Sound hat schon so manchen in den Trainings-Flow gebracht. 

Natürlich gibt es auch Stimmen die sagen, dass sie lieber ganz ohne Musik trainieren, um besser in ihren Körper hören zu können und sich nicht ablenken zu lassen. Und auch die haben sicher Recht. Folgt man jedoch der Erfahrung vom FIT TEAM Waldshut sind diese jedoch in der Minderheit. Zusammenfassend lässt sich sowohl im Personal Training als auch beim Training in der Gruppe folgende Aussage treffen: Musik hilft den meisten Menschen abzuschalten, zu entspannen, zu träumen und sich in andere Gefühlslagen hineinzuversetzen. Auch beim Sport gehört Musik auf den Ohren für sie einfach dazu. Beim Auspowern treiben sie schweißtreibende Beats an und beim abschließenden Entspannen lassen sie ruhige Melodien in die Ferne schweifen. Ausnahmen bestätigen da bekanntlich die Regel. 

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